Der Fall der Helden
Geschrieben von ^.Cr4sH, Josephus   
22.08.2008
 
Der Fall der Helden

  1. Abschlusstag
  2. Zurück aus Oakvale
  3. Vater ist krank
  4. Tod und Leben
  5. Beunruhigt und Wartend
  6. Alles ist verloren
  7. Immernoch am fliehen
  8. Ein Winter ohne dich
  9. Versteckt halten
10. Zum Diebstahl getrieben
11. Eine neue Heimat
12. Entdeckt
 
 

1. Abschlusstag

Heute mache ich meinen Abschluss in der Heldengilde. Meine Frau gab mir dieses Tagebuch, damit ich meine Gedanken festhalten, und meine Abenteuer niederschreiben kann.

Der Abschluss fand normalerweise immer in der Schicksalkammer statt. Stattdessen - und mit Recht, denke ich - fand sie im Innenhof statt, im Gedenken an die Helden, die ihr Leben ließen, als Jack Albion angriff. Ich war so jung damals. Als der Held aus dem Kampf hervorging, beobachtete ich ihn aus der Menge. Er verkörperte alles, was ein Held zu sein hatte: stark, entschlossen, und mutig. Ich sagte meinem Vater, dass ich eines Tages auch ein Held sein würde. Er versuchte es mir auszureden, aber einige Tage später machte ich mich auf den Weg zur Gilde.

Ich versuchte alles, um bemerkt zu werden. Ich putzte Trainingsräume. Ich brachte Äpfel. Ich lieferte Vorräte aus Bowerstone, wo ich meine zukünftige Frau traf. Letzendlich trat der Gildenmeister an mich heran, und fragte mich, warum ich ein Held sein wollte. Ich sagte ihm, dass ich Albion helfen wollte. Meine Eltern waren besorgt, aber der Gildenmeister sprach mit ihnen, und sie gaben nach: Ich konnte das Gildentraining beginnen. Jahrelang lernte ich alles, was ich konnte. Nun liegen diese Anstrengungen hinter mir, und die echte Arbeit hat begonnen.


2. Zurück aus Oakvale

Zurück von einem Quest in Oakvale, wo ich mich mit einer Gruppe Piraten auseinandersetzte. Es ist mekwürdig, dass Räuber an Land verrufen sind, während jene auf dem Meer Frauen dahinschmelzen lassen. Es war aufregend den Geburtsort des Jacktöters zu besuchen.

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich den Besuch in Oakvale genoss. Ich schritt gerade durch eine Taverne, als mich ein Stein auf dem Hinterkopf traf. Ich wandte mich um, um zu sehen, wer ihn geworfen hatte, aber keiner sah mich an. Später erklärte mir der Tavernenbesitzer, dass manche Leute keinen Respekt mehr vor Helden haben. Einige Jahre zuvor, um Herbst herum, kam ein anderer Held nach Oakvale, betrank sich, und zündete eine Reihe von Häusern an. Helden waren seither nicht willkommen.

Nicht jeder zeigte mir die kalte Schulter. Manche, großteils Ladenbesitzer, waren auf mein Geld aus, und ein verheiratetes Paar mit Familie in der Gilde, luden mich für ein Abendessen in deren Haus ein. Aber die Abneigung der Anderen, ist etwas, was ich nie erwartet hätte. Ich glaube immer noch, dass Helden bei den meisten Leuten hoch angesehen sind. Sicherlich werden die Anderen ihre Meinung nach einiger Zeit überdenken.

Frohe Neuigkeiten: Ich werde bald Vater. Auf das hat mich mein Training nicht vorbereitet.


3. Vater ist krank

Bin wegen Arbeit und einem Wiedersehen mit meiner Freu zur Gilde zurückgekehrt. Weitere Schwierigkeiten auf dem Weg: Ich kam zu einer Menschenmenge hinüber, die einem Mann zuhöhrten, der Beleidigungen gegen die Gilde ausrief. Andere reichten Informationsmaterial aus, auf dem stand, dass Helden genau so schlimm sind wie Verbrecher, weil wir denken, dass wir über dem Gesetz stehen.

Ich redete mit einigen in der Menge. Eine Ladenhüterin aus Knothole Glade erzählte mir über einen Helden, der sie ausgeraubt hat. Ein reisender Händler zeigte mir seine Narben, die ihm ein Held zufügte, als er versuchte ihn auf einer Reise zu den Grabhügel-Feldern zu beschützen. Die Leute sagen, dass es keine Verwendung mehr für Helden gibt seit dem Verschwinden von Jack. Ich erinnerte sie, dass die meisten Helden andere beschützen, aber alles was ich bekam, waren wütende Worte als Antwort.

Ein Händler verhökelte eine sehr eigentümliche Erfindung: Ein Hand-Geschütz, das eine kleine Blei Kugel verschießt. Viele Leute waren interessiert, aber keine Käufer unter ihnen. Dieser "Feuer-Arm" ist viel zu teuer für Dorfbewohner. Ich stell mir nicht vor, dass damit viel gelingen wird.

Als ich meine Frau in Bowerstone traf, traf ich auch gleichzeitig eine schlechte Neuigkeit: Mein Vater ist ernsthaft krank. Morgen werden wir in den Gibbet - Wald gehen, um ihn zu treffen.


4. Tod und Leben

Mein Vater ist gestorben. Sein Hinscheiden war friedvoll; er war schon seit letztem Herbst Krank gewesen. Meine Frau half meiner Mutter während ich ein paar Tage an der Seite meines Vaters verbrachte.

Vater erzählte mir, wie besorgt er war. Er sah eine wachsende Missgunst gegenüber Helden. Die Dorfbewohner finden, dass die Wachen niemals hart genug gegen Helden vorgegangen sind, von denen man weiß, dass sie verlogen sind. Mein Vater meinte, dass die Leute eventuell von ihren Helden die Nase voll haben werden. Deshalb wollte er mich nicht in der Gilde haben. Mutter erzählte mir später, dass Vater sich für mich einsetzte wenn andere, oftmals alte Freunde, sich gegen Helden ausgesprochen haben.

Ich sehe im Moment mehr von diesen Schusswaffen an den Gürteln der Leute als letztens.

Wir beerdigten Vater auf dem kleinen Hügel hinter dem Haus. Er behandhabte seinen Tod genauso wie in den Geschichten [Tales of Albion], als Nostro, gemeinsam mit Schnitter [Scythe] an seiner Seite, gelassen war und sich mit dem Angesicht des Todes zufriedenstellte.

In der Trauer, begrüßten wir ein neues Leben: Meine Frau schenkte unserer wunderschönen, gesunden Tochter das Leben. Hätte ihr Großvater sie doch halten können.


5. Beunruhigt und Wartend

Ich bin im Übrigen enttäuscht, dass sich der Gildenmeister mit der Respektlosigkeit gegenüber Helden beschäftigt hat. Monate sind nun vergangen und immernoch lehnt er es ab einzutreten. Er versicherte uns, dass das Ganze vorübergehen wird. Er sagt, Helden sind Jahrzehnte lang ihrer Bestimmung zu gut oder böse gefolgt und die Leute haben sich niemals zuvor beschwehrt ... jedenfalls nicht so laut.

Ich kann nicht genau sagen, was er denkt. Er scheinte so Weise, als ich damals hier anfing. Er ist jetzt viel bedächtiger. Einige Helden sehnen sich danach Kehlen aufzuschlitzen; der Rest von uns versucht sie davon abzuhalten.

Wegen der hohen Gewalttätigkeit in Bowerstone, habe ich es geregelt, dass meine Frau und meine Tochter hier bleiben können. Sie sind beide durch das, was passiert ist, erschüttert. Meine Frau hat Freunde verloren nur, weil ich ein Held bin. Sie will wissen, was ich tun werde, um das alles zu stoppen. Doch ich habe keine Antworten für sie.

Auf jeden Fall sind sie sicher. Sie schlafen gerade, aber so spät konnte ich nicht mehr einschlafen. Ein paar andere Helden haben gesagt, sie fühlen sich als ob die Wände immer näher kommen. Ich fühle mich ein bisschen anders, als ob die ganze Welt beginnt in die Luft zu fliegen.


6. Alles ist verloren

Die Gilde ist verloren. Unwissend von den jüngsten Unruhen wagte sich heute Morgen eine Gruppe von reisenden Helden nach Bowerstone. Kämpfe entfachten sich und der Gildenmeister sandte uns aus, um die Angelegenheiten zu beruhigen. Doch wir waren zu spät. Überall waren Leichen. Nur zwei Helden taumelten uns entgegen. Wir kümmerten uns gerade um ihre Wunden, als die Meute Pistolen abfeuernd und Fackeln tragend zurückkehrte.

Wir weichten zurück zur Gilde mit der Horde an unseren Fersen. Bevor wir es bemerkten, brachen sie die Gildentore auf. Die meisten von uns zögerten die Leute anzugreifen, denen wir geschworen hatten sie zu beschützen. Die Meute erkannte unsere Bedenklichkeit und drang ohne Gnade zu uns durch.

Die letzten von uns flohen in die Wälder und hofften im Schatten der Dunkelheit entkommen zu können. Hinter uns versank die Gilde in Flammen. Die Horde feierte, indem sie in die Luft schossen.

Ich schickte meine Frau und Tochter zur Farm meiner Mutter. Der Blick in den Augen meiner Frau - War es Angst? Einsamkeit? Zorn? Jetzt bin ich jedenfalls allein. Das Feuer brannte immer noch da, wo ich einmal gelebt, trainiert und geträumt hatte. Es ist alles verloren.


7. Immernoch am Fliehen

Es ist nun ein Jahr vergangen, seit die Gilde verbrannt wurde, und ich fliehe immernoch. Die Neuigkeiten, die geschehen waren, zog alle Dörfer in Mitleidenschaft, die ich gesehen habe. Jedes mal, wenn ich einen neuen Ort besuchte, jedes Mal, wenn ich an einer Gruppe von Dorbewohnern vorüberging, jedes Mal, wenn ich eine Taverne betrat, ja jedes Mal fühle ich, wie sie mich beobachten. Ich merke, wie sie mich bemustern. Ich reise in Tarnung. Was mich am meisten beunruhigt sind die Händler und Ladenbesitzer. Sie haben makellose Erinnerungen. Ich gehe immer sicher, dass ich niemals Pfade überquere, auf denen jemand ist, der mich noch von früher kennen könnte.

Nachdem die Gilde gefallen war, hörte ich auf in dieses Tagebuch zu schreiben. Doch jetzt fühle ich einen neuen Drang, das festzuhalten, was geschehen ist. Ich sollte auch anfangen Seiten zu nutzen, um dir zu schreiben, meine liebe Frau. Meine nächste Aufgabe wird es sein, jemanden zu finden, dem ich vertrauen kann, um diese Nachrichten zu dir zu bringen.

Ich weiß, dass du und mein Vater sich über mein Helden da sein bekümmerten. Ich weiß auch, dass du denken musst, dass deine schlimmsten Ängste wahr geworden sind, aber alles wird vorübergehen. Helden gibt es seit vielen Jahrhunderten.

Ich werde schreiben, sobald ich kann. Ich träume von dir und von unserer Tochter. Gib ihr einen Kuss von mir.


8. Ein Winter ohne dich

Meine Frau, ich hoffe, diese Nachricht erreicht dich und unsere Tochter. Es war ein weiterer Winter ohne euch beide. Ich fühle mich leer.

Ich schaffte es nach Knothole Glade, nachdem ich mich dem Winter über nahe des Witchwood Sees versteckt hatte. Ich arbeite nun als Tagelöhner, repariere Häuser und baue neue Niederlassungen. Die Arena... es machte mich krank, als ich es sah. Sie benutzen sie jetzt, um Helden zu exekutieren. Manche kämpfen um ihr Leben, aber ihre Leiber enden schlussendlich immer auf dem Scheiterhaufen. Als ich den Rauch roch, war es, als würde die Gilde nocheinmal niederbrennen.

Es gibt kaum etwas, dass Kriminelle davon abhält, kleiner Städte anzugreifen. Eines Nachts griff eine Bande von Räubern Knothole Glade an. Wenn du mich sehen hättest können - es war wie in alten Zeiten. Ich überwältigte sie innerhalb eines Wimpernschlags. Als die Sonne aufging, kamen die Dörfler aus ihren Verstecken, und dankten mir mit Messern und Fäusten. Bevor ich protestieren konnte, bewarfen sie mich mit Steinen. Ich ertrug es nicht, gegen sie zu kämpfen, aber ich wusste, dass sie mich gehäuten hätten, wenn sie es könnten.

Ich werde wieder gejagt. Ich werde schreiben, wenn ich einen sicheren Zufluchtsort gefunden habe.


9. Versteckt halten

Meine Liebe, ich bin an der Hookküste. Seit Monaten fliehe ich vor den Heldenhassern. Sie sind scheinbar überall. Tatsächlich erreichte ich die Hookküste nur einen Tag nachdem ein weiterer Mob durchzog.

Sie töten jeden, der einem Held auch nur ähnelt. Ich habe Geschichten gehört von Menschen, die ihre Rivalen als Helden anprangerten, bloß um sich an ihnen zu rächen, oder vielleicht, um den Verdacht von sich selbst abzulenken.

Für nun fast zwei Jahre, sehe ich die Menschen von Albion Helden abschlachten, und sich gegeneinander wenden. Am Anfang taten sie mir Leid; sie verranten sich in ihre eigene Ignoranz. Jetzt fühle ich mich, als hätte ich mich von meiner eigenen Naivität irreführen lassen. Mein Vater sah viel klarer die Wut unter der Bevölkerung wachsen, als ich das konnte.

Ich habe nichts von dir gehört. Ich lasse dir diese Nachricht diesmal über drei Boten zukommen, in Hoffnung, dass dich wenigsten eine erreicht. Bitte gib unserer Tochter meine Liebe. Stelle nun mehr als jemals zuvor sicher, dass sie ihre Fähigkeiten nicht enthüllt. Das Blut eines Helden fließt in ihren Adern. Der Mob darf das nie erfahren.


10. Zum Diebstahl getrieben

Ich bin immer noch an der Hookküste, obwohl vor Kurzem eine Gruppe Heldenjäger angekommen ist. Sie sind weniger als noch zuvor. Vielleicht sind sie nur ein Aufklärungstrupp. Ich habe meine Haare geschnitten, und meine Kleidung gewechselt. Ich habe meinen Bogen verpfändet, aber habe dennoch kaum Geld.

Aus Not wurde ich zum Diebstahl getrieben. Ich reise entlang der Küste, stehle Kleidung von Wäscheleinen, und Früchte aus Gärten. Ich schäme mich für das, was ich tun muss, um zu überleben. Mein Verhalten ist eines Helden unwürdig; ich tue genau das, wofür ich andere bestrafen würde. In der Nacht höre ich Mobs in der Ferne, und ich frage mich, ob sie kommen, um mich zu töten.

Ich vermisse euch beide so sehr. Ich kann mir nur ausmalen, wie es euch beiden geht. Zu meinem Entsetzen entdeckte ich meine Boten gehängt auf Bäumen; ihre Leichen waren in Tücher mit der Aufschrift "Heldenverehrer" gewickelt.

Ich habe nun keine Hoffnung mehr. Das wird nicht aufhören, bevor wir nicht alle tot sind. Ich mache mich nach Norden auf.


11. Eine neue Heimat

Seit Monaten kein Zeichen der Jäger. Vielleicht sind sie unwillig, so weit wie nach Snowspire zu folgen. Sogar im Hochsommer ist die Luft eisig. Trotz der Kälte und des Schnees, fühle ich mich Zuhause. Hier besiegte der Jacktöter Jack in seiner entgültigen Form.

Ich habe einen Job; entlade Kisten aus den Fähren vom Festland. Ich habe etwas meiner Ausrüstung verkauft, und kaufte damit warme Kleidung. Der Hafenmeister hat mir eine kleine Hütte außerhalb von Snowspire gemietet. Es gibt hier nur wenig zu tun, aber nach den letzen paar Jahren, bevorzuge ich die Stille. Ich habe gelernt zu fischen. Es gibt mir ein Maß an Frieden, und bringt mir Essen auf den Tisch. Ich habe wieder angefangen zu träumen. Ich träume von einer Zeit, lange nachdem wir alle tot sind, in der die Helden zurückkehren werden. Ich kann die Gesichter der neuen Helden nicht sehen, aber ich sehe wie sich unser Erbe in ihnen fortsetzen wird. Ich habe meinen Frieden gefunden.

Die Leute hier verdächtigen keine Helden in ihrer Mitte, daher kann ich dir dies ohne Umwege schicken. Komm´ so bald, wie du kannst. Nimm unsere Tochter mit. Es gibt hier eine Zukunft für sie. Es gibt hier Platz für uns alle. Ich warte auf dich.


12. Entdeckt

Sehr schwach. Der Mob hat mich gefunden. War am Fluss fischen, als ich hinterrücks von ein paar Aufklärern angegriffen wurde. Sie schossen auf mich, trafen mich an der linken Seite. Es brennt wie Feuer.

Bin in die Hütte rein. Fackeln schlagen am Dach auf. Rauch. Sie verspotten mich. Bin im Keller. Dunkel und feucht. Ich rieche das Meer sogar durch den Rauch hindurch. Kellerfenster ist schmutzig, aber ich kann sie sehen. Manche haben Masken, andere tragen Helme.

Ich dachte, ich sah dich da draußen, meine Liebe. Aber nein. Mein Verstand spielt mir Streiche. Du würdest niemals diese hasserfüllten Dinge rufen. Du würdest den Mob nie zu mir führen. Würdest du?

Oh, mein wunderschönes, kleines Mädchen. Ich hatte gehofft, dich noch einmal zu sehen. Jetzt nehmen sie mir alles. Aber ich halte daran fest. Die Welt braucht Helden, nur diesen einen nicht. Ich fürchte mich nicht mehr.

Sie sind durch die Tür. Es wird nicht lange dauern.

 
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